Hasan Hasic
Dreissig Jahre hat er an dieser Firma gebaut. Und wenn man ihn fragt, wie es ihm geht, winkt er ab. Auf bosnische Art. Sie kennen diese Art zu winken, die keine Übersetzung braucht. „Ich bin müde."
Dann nimm dir Urlaub, sagte ich. Nimm deine Frau, fahrt weg. Ihr habt den Grund und die Mittel. Gönn dir drei Monate. Er lachte, aber nicht von Herzen. „Das hier läuft keine drei Wochen ohne mich." In diesem einen Satz steckte eigentlich die ganze Geschichte. Nicht nur seine Erschöpfung, sondern auch die Abhängigkeit eines Unternehmens von dem Menschen, der es aufgebaut hat.
Und dann kam es heraus. Er weiss, dass die Firma zurückfällt. Neue Anlagen, Reorganisation, digitale Möglichkeiten, veränderte Marktbedingungen und Entscheidungen, die seit Jahren aufgeschoben werden. Das alles weiss er. Es fehlt ihm nicht an Informationen und auch nicht an Erfahrung. „Ich habe einfach diese Energie nicht mehr. Auch nicht den Willen."
Ich fragte nach den Kindern. Ein stilles Abwinken. „Das ist nicht in ihnen. Ich hatte es von klein auf. Sie nicht." Er sass zwischen einer Firma, die nicht ohne ihn kann, und einer Zukunft, die er sich nicht vorstellen konnte. Weder vor noch zurück.
Am Ende habe ich ihn gefragt, ob er je daran gedacht hat, die Firma zu verkaufen. Er sah mich an, als hätte ich etwas vorgeschlagen, was man nicht vorschlägt. „An wen? Wie funktioniert das überhaupt?"
Von aussen sieht eine solche Situation oft nach einem persönlichen Problem aus. Der Inhaber könne nicht delegieren, er wolle die Kontrolle behalten, er vertraue niemandem, er könne sich ein Leben ohne die Firma nicht vorstellen. Manchmal stimmt ein Teil davon. Doch häufig liegt die tiefere Ursache nicht allein beim Menschen, sondern in der Art, wie das Unternehmen über viele Jahre entstanden ist.
Der Inhaber kennt die Kunden persönlich. Er weiss, welcher Lieferant in einer schwierigen Situation zuverlässig reagiert. Er entscheidet über Investitionen, Preise, Einstellungen und Ausnahmen. Wenn ein Problem entsteht, landet es irgendwann bei ihm. Oft befinden sich die wichtigsten Zusammenhänge nicht in Prozessen, Systemen oder Verantwortlichkeiten, sondern in seinem Kopf.
Das war nicht zwingend schlechte Unternehmensführung. Vielleicht war genau diese persönliche Nähe über viele Jahre eine Stärke. Sie hat Geschwindigkeit ermöglicht, Vertrauen geschaffen und das Unternehmen durch schwierige Phasen getragen. Doch was ein Unternehmen erfolgreich aufgebaut hat, muss nicht automatisch ausreichen, um es in seine nächste Entwicklungsphase zu führen. Mit der Zeit kann aus persönlicher Stärke strukturelle Abhängigkeit entstehen. Dann ist nicht nur der Inhaber an das Unternehmen gebunden, das Unternehmen ist genauso stark an ihn gebunden.
In vielen Familienunternehmen existiert lange die unausgesprochene Erwartung, dass eines der Kinder irgendwann übernehmen wird. Doch eine Unternehmensnachfolge lässt sich nicht vererben wie eine Immobilie. Die nächste Generation kann andere Interessen, Fähigkeiten und Lebenspläne haben. Vielleicht möchte sie nicht die Verantwortung für ein Unternehmen übernehmen, dessen Strukturen, Beziehungen und Konflikte über Jahrzehnte um eine andere Person herum entstanden sind.
Das ist kein persönliches Versagen, weder aufseiten der Eltern noch aufseiten der Kinder. Problematisch wird es erst, wenn diese Frage zu lange unausgesprochen bleibt. Dann wird aus einer erhofften Nachfolge langsam ein Vakuum. Entscheidungen werden weiter verschoben, Investitionen unterbleiben und das Unternehmen verliert Zeit, während niemand klar ausspricht, welche Zukunft überhaupt realistisch ist.
Eine gute Nachfolge beginnt deshalb nicht mit der Frage „Welches meiner Kinder übernimmt?", sondern mit einer offeneren Frage: „Welche Zukunft soll dieses Unternehmen haben, und welche Rolle möchte ich selbst darin noch spielen?"
Für viele Unternehmer fühlt sich der Gedanke an einen Verkauf zunächst wie ein Verrat an. Die Firma trägt ihre Handschrift, vielleicht trägt sie ihren Namen. Sie steht für Jahrzehnte voller Entscheidungen, Risiken, schlafloser Nächte, Beziehungen und persönlicher Opfer. Deshalb wird ein Verkauf häufig erst dann in Betracht gezogen, wenn die Kraft bereits weitgehend aufgebraucht ist oder äussere Umstände keine andere Möglichkeit mehr lassen. Das ist meistens der ungünstigste Zeitpunkt, um Optionen zu prüfen.
Ein professionell vorbereiteter Verkauf ist kein Panikverkauf und keine Kapitulation. Er kann eine verantwortungsvolle Form der Weiterentwicklung sein, vorausgesetzt, der Prozess beginnt früh genug und wird nicht unter Zeitdruck geführt. Dabei geht es nicht nur um den Preis, sondern auch um Fragen wie:
Möglicherweise ist am Ende eine familieninterne Nachfolge sinnvoll. Vielleicht kommt eine Übergabe an das bestehende Management infrage, vielleicht ein strategischer Käufer, ein Beteiligungspartner oder ein schrittweiser Rückzug. Und möglicherweise entscheidet sich der Inhaber nach einer ehrlichen Prüfung bewusst dafür, vorerst weiterzumachen. Entscheidend ist nicht, dass er verkauft. Entscheidend ist, dass er seine Möglichkeiten kennt.
Ein Inhaber sieht sein Lebenswerk. Ein seriöser Käufer muss zusätzlich beurteilen, ob dieses Unternehmen auch ohne seinen bisherigen Eigentümer zuverlässig funktionieren kann. Dabei entstehen sehr konkrete Fragen:
Eine gute Firma kann in einer solchen Betrachtung trotzdem schlecht vorbereitet erscheinen. Das bedeutet nicht, dass sie keinen Wert hat. Es bedeutet, dass ein potenzieller Käufer mehr Unsicherheit sieht, und Unsicherheit wirkt sich fast immer auf Bedingungen, Verhandlungsmacht und Kaufpreis aus. Verkaufsreife entsteht deshalb nicht erst durch die Suche nach einem Käufer. Sie entsteht durch ein Unternehmen, dessen Qualität, Leistungsfähigkeit und Zukunftspotenzial auch ohne die permanente Anwesenheit des bisherigen Inhabers erkennbar sind.
Das ist der Punkt, der häufig übersehen wird. Die Vorbereitung auf einen möglichen Verkauf ist nicht nur für Unternehmen sinnvoll, die bereits einen Verkaufsentscheid getroffen haben. Ein Unternehmen mit klaren Verantwortlichkeiten, nachvollziehbaren Zahlen, dokumentierten Prozessen, übertragbaren Kundenbeziehungen und einer handlungsfähigen Führung ist grundsätzlich stärker.
Es ist leichter zu führen, weniger abhängig von einzelnen Personen, widerstandsfähiger bei unerwarteten Ereignissen, interessanter für Finanzierungspartner und potenzielle Führungskräfte und besser vorbereitet auf Veränderungen, unabhängig davon, ob diese Veränderung ein Verkauf, eine Nachfolge, eine Beteiligung oder eine neue Wachstumsphase ist. Verkaufsreife bedeutet deshalb vor allem eines: unternehmerische Handlungsfreiheit. Der Inhaber gewinnt die Möglichkeit, Entscheidungen aus einer Position der Klarheit zu treffen, statt irgendwann unter dem Druck von Erschöpfung, Krankheit, familiären Umständen oder wirtschaftlichen Problemen reagieren zu müssen.
Der Mann aus diesem Gespräch brauchte in diesem Moment keinen Käufer. Er brauchte zunächst ein klares Bild seiner Situation. Was funktioniert bereits ohne ihn? Wo ist das Unternehmen vollständig von ihm abhängig? Welche Risiken würde ein externer Interessent erkennen? Was müsste geordnet werden? Welche Möglichkeiten bestehen überhaupt, und welche davon passen zu seinen persönlichen Vorstellungen?
Genau dafür haben wir die Verkaufsreife-Bewertung entwickelt. Sie betrachtet das Unternehmen aus der Perspektive einer möglichen Übergabe oder eines Verkaufs, ohne vorauszusetzen, dass ein solcher Schritt bereits beschlossen wurde. Das Ergebnis ist eine strukturierte erste Standortbestimmung:
Vertraulich, unverbindlich und ohne Verkaufsdruck.
Ein kostenloser und vertraulicher Fragebogen, der Ihnen eine erste strukturierte Einschätzung der Verkaufs- und Übergabereife Ihres Unternehmens ermöglicht.
Keine Verpflichtung. Kein Verkaufsdruck. Ein klareres Bild Ihrer Ausgangslage, möglicher Entwicklungsfelder und realistischer nächster Schritte.